Sprengung der universitätskirche leipzig

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Einen Tag später fanden Sondersitzungen der Theologischen Fakultät und des akademischen Senates statt – der Dekan der Theologen, Ernst-Heinz Amberg, vertrat dort standhaft die Meinung seiner Fakultät, dass ein Abriss nicht in Frage komme. Widerspruch kam von den Kanzeln der Kirchen ebenso wie aus den Reihen der Studenten: In den Tagen vor der Sprengung etwa zogen Journalistik-Studenten mit einem Schweigemarsch durch die Innenstadt, andere trafen sich in kleinen Gruppen mit Transparenten, wieder andere versuchten, am Neuen Rathaus mit den Stadtoberen ins Gespräch zu kommen – vergeblich, ihre Gruppe wurde von der Polizei zerstreut.

Staatliche Planungen verschoben etwaige Aufbauarbeiten gleich hinaus bis ins Jahr 1975.


Unter diesen Voraussetzungen verlangte die Universität im Vorfeld des Jubiläums von 1959 immer stärker nach einer Lösung der unbefriedigenden Verhältnisse am Augustusplatz.
Spätestens nach dem Universitätsjubiläum entwickelte sich auf politischer Ebene, vom Politbüro über die Bezirks- bis hinab zur Stadtleitung der SED, der Entschluss, das Areal am Karl-Marx-Platz vollständig zu beräumen und einen sozialistisch determinierten Neubau zu errichten.

Geburtstage oder Sterbefälle im Herrscherhaus oder von Universitätsangehörigen zu begehen und zu feiern.


Auch als Begräbnisstätte wurde die Kirche für Studenten und Professoren genutzt.

Dezember 1409 im Refektorium des Thomasklosters statt und dieser Raum wird noch über 100 Jahre als Aula dienen.

Ein Gebäude mit Karl-Marx-Relief

Etwas Neues muss her, ein funktionaler Zweckbau, ein Seminargebäude mit Karl-Marx-Relief.

Dennoch kam es im Dezember 1967 zu einem Architektenwettbewerb, der im Ausschreibungstext einen Neubau favorisierte, ohne die Universitätskirche zu erwähnen. Die geplante Sprengung der Universitätskirche im Rahmen der Neugestaltung des Karl-Marx-Platzes ist eine Kulturschande. „Als im Mai 1968 der Beschluss zur Sprengung der Universitätskirche gefällt wurde, geschah das pro forma durch Abstimmung, de facto aber auf Anordnung aus Berlin und ohne jede Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen.

Mai 1968 jedoch billigte die Stadtverordnetenversammlung im Neuen Rathaus den Abriss – mit lediglich einer Gegenstimme, und selbst dieser eine Protest wurzelte in einer geheimdienstlichen Aktion des Staatsicherheitsdienstes. Kurze Zeit nach der Kirchensprengung wurden auch die inneren Strukturen der Hochschulen in der DDR mit der dritten Hochschulreform grundlegend verändert.

Mai an die Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli vor 57 Jahren erinnert.

Gedenken an Sprengung der Leipziger Universitätskirche

Mit einer Gedenkfeier im Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli erinnert die Universität Leipzig am 30. Bereits 1994 lobte die Stadt Leipzig daher einen offenen Ideenwettbewerb für den Universitätskomplex am Augustusplatz aus.

April 1544 wurde der Universität die Urkunde mit dem Besitztitel ausgestellt.


Die Universität übernahm die Gebäude, die in den letzten Jahren verlassen gelegen und geplündert worden waren, zunächst mit erheblichem Bauaufwand. Unter anderem fanden dort der erste Rektor Otto von Münsterberg, Caspar Borner und Joachim Camerarius sowie später Benedikt Carpzow ihre letzten Ruhestätten.
Diese lebendige Tradition und den Glücksumstand einer unzerstörten Universitätskirche in einer zerbombten Großstadt vor Augen, lässt sich die Vorgeschichte der Sprengung von 1968 nur als bewusster Affront und provozierter Bruch mit alten Traditionen deuten.
Zunächst hatte sich die Sanierung des seit 1943 teilzerstörten Universitätsareals am Augustusplatz über lange Jahre nach dem Krieg hingezogen.

Die Kirche birgt in ihrem Inneren Kunstschätze: mittelalterliche Grabplastiken, Kircheninventar aus mehreren Jahrhunderten. Kurz vor 10 Uhr kam eine gewaltige Staubwolke aus dem Gebäude, die westliche Giebelwand sackte in sich zusammen, der Kirchturm stürzte in südlicher Richtung ein und nach einer kaum wahrnehmbaren Verzögerung fiel auch die östliche Giebelwand um.


Die Universität Leipzig wurde nach der Wende nicht nur mit einer maroden Bausubstanz am Augustusplatz konfrontiert, auch dem Massenandrang der Studierenden konnten die Hochschulbauten nicht mehr gerecht werden.

Mit dem Rektor Caspar Borner nutzte die Universität diese Gelegenheit und verfolgte dieses Ziel auch weiter, als sie in heftigen Streit über die Zueignung des Klosterbesitzes mit dem Rat der Stadt geriet. Mai wurden die Parteien in der Baukommission der Leipziger Stadtverordnetenversammlung über die Planungen informiert.

Mai 1968 auf Geheiß des SED-Regimes trotz zahlreicher Proteste gesprengt.

sprengung der universitätskirche leipzig

Für Baumaßnahmen, bis auf minimale Erhaltungsmaßnahmen, waren an den Zentralgebäuden der Universität keine Kapazitäten eingeplant. Neubau?